| Suchoptionen in Blogsuch- und Social-Bookmarkdiensten |
In diesem Artikel werden aus Nutzersicht Suchoptionen in Blogsuch- und Social-Bookmarking-Diensten aufgezeigt. Diese stellen, u.a. durch die Möglichkeit individuelle Profil- oder Alertdienste zu definieren, dem Nutzer mächtige Hilfsmittel zum Aufbau und Erhalt von Expertise zur Verfügung.
Blogs sind im Kern Webseiten, auf denen regelmäßig – oft täglich – neue Einträge bereit gestellt werden. Im Unterschied zu anderen Webtechnologien ist es mit Blogs auch für Nutzer, welche nur über geringe Webdesign-Kenntnisse verfügen, sehr einfach, Inhalte im Web zu veröffentlichen. Aus technischer Perspektive weisen Blogs im Vergleich zu Standard-HTML-Seiten folgende Eigenschaften auf:
Im Vergleich zur Standardsuche bei Google und Co. weist die Suche in Blogsuchdiensten erweiterte Optionen auf, die sich primär aus der Nutzung der oben erwähnten technischen Eigenschaften von Blogs ergeben. So bietet die Google-Blogsuche zusätzlich eine Sortierung nach Datum und ermöglicht es, Datumsbereiche mit deutlich höherer Genauigkeit zu suchen als die Google Standardsuchmaschine. Des Weiteren können über RSS beliebige Suchergebnisseiten abonniert und weiterverarbeitet werden. Blogsuchdienste bieten also nicht nur den Zugriff auf einen Teilbestand des Web, dem eine besonders hohe Aktualität zugeschrieben wird, sondern erlauben strukturiertere Anfragen als Standardsuchmaschinen. Folgende Abbildung zeigt die Anfrageoptionen der Google- Blogsuche in der Übersicht. ![]() Technorati.com bietet, neben der Volltextsuche in Blogs, ergänzend auch Zugriff auf nutzergenerierte bzw. von Nutzern bereitgestellte Videos und Bilder. Bei diesen Inhalten beruht die Suche nach den Objekten primär auf den, von den Nutzern verfassten, Tags. Tag-basierte Suchoptionen werden nachfolgend anhand von Social-Bookmarkdiensten dargestellt. Social-BookmarkdiensteSocial-Bookmarkdienste ermöglichen es, Bookmarks online anzulegen und zu speichern. Bookmarks können kommentiert, verschlagwortet und anderen Benutzern öffentlich zugänglich gemacht werden. Populäre Social-Bookmarkdienste sind z.B. Del.icio.us (2005 von Yahoo akquiriert), Furl.net , Spurl.net . Im deutschen Sprachraum hat neben Mister-wong.de vor allem auch das auf ein wissenschaftliches Publikum ausgerichtete Bibsonomy eine hohe Bekanntheit erreicht. Der Index in Social-Bookmarkdiensten ähnelt zunächst der von Webkatalogen – etwa Dmoz.org –, in denen Redakteure Webseiten begutachten und bei Aufnahme in den Katalog einen Titel und eine Beschreibung verfassen. Im Unterschied zu Katalogen werden die Websites aber nicht in eine Ordnungshierarchie eingebunden, sondern mit Schlagworten – sogenannten Tags – versehen. Die Summe aller Tags aller Nutzer wird auch als Folksonomy bezeichnet. Tags werden auch dazu benutzt, um neben inhaltsbezogenen auch formale Aspekte (z.B. Datum) oder gar individuelle emotionale Bezüge („cool“, „lustig“) auszudrücken. Die Verwendung von Polysemien („Jaguar“ als Tier oder Automarke), Synonymen („Auto“ oder „PKW“) oder Flexionen („Suchmaschine“ oder „Suchmaschinen“) und die nicht vorhandene Strukturierung der erfassten Metadaten bzgl. suchergebnisrelevanter Parameter wie Recall und Precision sind durchaus kritisch einzuschätzen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Offenheit der Tag-Vergabe es ermöglicht Bookmarks vielfältig zu beschreiben. Die aus gemeinsamen Indexieren entstehende Folksonomy bildet die Grundlage der in Social-Bookmarkdiensten vorhandenen Such- und Browsingfunktionen. Nutzer können über Tagclouds, „Populär“- oder „New“-Listen navigieren, bzw. über eine Stichwortsuche in Titel/Beschreibung/Tags auf die vorhandenen Bookmarks zugreifen. Die folgende Abbildung zeigt eine Tagcloud in Del.icio.us , die Größe der Tags illustriert deren Verwendungshäufigkeit. ![]() Die Abbildung deutet implizit schon an, dass und wie Social-Bookmarkdienste bzgl. ihrer Suchfunktionalität über Webkataloge hinausgehen. Bei der Ausgabe von Suchergebnissen werden neben einem Termabgleich zwischen Suchanfrage und Bookmarks, Eintragsdatum und Popularität der Einträge berücksichtigt. So können Ergebnislisten in Del.icio.us nach Eintragsdatum (neueste Einträge zuerst) oder Popularität sortiert werden. Popularität bedeutet Anzahl der Nutzer, welche das jeweilige Bookmark gespeichert haben. Links, die von vielen Usern als Favoriten gespeichert werden, werden als qualitativ hochwertig betrachtet. „User Popularity“ wird damit in ähnlicher Weise zu einem suchrelevanten Qualitätsmerkmal wie die Linkpopularität bei roboterbasierten Suchmaschinen. Social-Bookmarkdienste ermöglichen es, populäre oder aktuelle Bookmarks aus einer themenspezifischen Perspektive zu recherchieren. Da bei den einzelnen Bookmarkeinträgen die Nutzer angezeigt werden, welche das jeweilige Bookmark gespeichert haben, vernetzen Social-Bookmarkdienste indirekt ihre Mitglieder miteinander. Social-Bookmarkdienste stellen für den Recherchierenden also sowohl einen thematischen als auch einen personenbezogen Zugang zu Informationsressourcen bereit. In letzterem Sinne können sie auch zum Aufspüren von „Experten“, verwendet bzw. dazu genutzt werden, Subnetzwerke mit Nutzern, die ähnliche Interessen aufweisen, zu initiieren. Um die Anwendungsmöglichkeiten zu verdeutlichen, werden einige Anfragebeispiele aufgezeigt, die mit Hilfe solcher Dienste beantwortet werden können.
Diese Beispiele illustrieren, wie sich solche Dienste aus der Sicht von Recherchierenden schon derzeit sinnvoll nutzen lassen, um etwa themenspezifische Expertise aufzubauen und aufrechtzuerhalten, neue Informationsressourcen und/oder auch andere Nutzer mit ähnlichen Interessen zu finden. Des Weiteren bieten auch die Social-Bookmarkdienste RSS-Feeds an, so dass der Nutzer, wie in Blogsuchdiensten, Alerts definieren, d.h. Suchergebnisse abonnieren bzw. diese in anderen Diensten, die RSS unterstützen, weiterverwenden kann. Social Bookmarkdienste stehen gerade am Beginn ihrer Entwicklung und weisen vielfältiges Potenzial zur Verbesserung des Web Information Retrieval auf. Allerdings ist ebenso festzuhalten, dass diese Dienste zumindest derzeit auch erhebliche Defizite aufweisen, die über die angeführten tagging-immanenten Problemfelder hinausreichen. Hier ist neben der Spamproblematik vor allem die geringe Abdeckung im Vergleich zur roboterbasierten Suchmaschinen zu nennen. Damit sind solche Dienste oftmals nicht für die direkte Beantwortung spezifischer Informationsbedürfnisse geeignet. Ebenso wie Kataloge erfassen sie nur einen geringen Teil des Web und bieten keinen Volltextzugriff. Sie sind also eher für thematisch breit angelegte, i.d.R. themenbezogene Informationsbedürfnisse – z.B. „Migräne“ – geeignet und nicht für spezifischere, vergleichsweise komplexe Suchanfragen – „Migräne Akuttherapie“ – nutzbar.
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In diesem Artikel werden aus Nutzersicht Suchoptionen in Blogsuch- und Social-Bookmarking-Diensten aufgezeigt. Diese stellen, u.a. durch die Möglichkeit individuelle Profil- oder Alertdienste zu definieren, dem Nutzer mächtige Hilfsmittel zum Aufbau und Erhalt von Expertise zur Verfügung.

